Nach Hause: Wie Bonn seine Beethovenhalle zurückbekommen hat
Samstagabend, 19. September, Beethovenhalle Bonn. Nach der langen Sanierungszeit war es endlich soweit: Wiedereröffnung, und das Beethovenfest hat sich dafür etwas ausgedacht, das mit einer normalen Gala nichts zu tun hat. Keine einzelne Bühne, kein einzelnes Programm, sondern die lange Konzertnacht "Nach Hause": von 18 bis 23 Uhr gleichzeitig bespielt in acht Räumen im ganzen Haus. Großer Saal, Studio, zwei Seminarräume, Vortragssaal, Kleines Foyer, die Foyers und der Festival Salon, alles gleichzeitig in Betrieb. Wer wollte, hat sich den Abend selbst zusammengestellt und ist einfach von Raum zu Raum gezogen.
Ich war da und habe zwischen Klavierabenden, Sektgläsern und einer Menge guter Laune ein paar Stimmen eingefangen.
Ein Haus, acht Bühnen
Schon der Rundgang allein macht klar, warum sich die Sanierung gelohnt hat. Musiker:innen liefen einem quer durchs Haus über den Weg, und praktisch an jeder Ecke standen Instrumente oder klang irgendwas herüber. Im Großen Saal spielte unter anderem die Trinity Sinfonia unter Fabian Müller Werke von Beethoven, Bruch und Mozart, später übernahmen das Aris Quartett und Nils Mönkemeyer mit Schumann und Schostakowitsch. Im Vortragssaal gaben sich die Beethovenfest Talents 2026 die Ehre, in den Seminarräumen liefen kleinere, intimere Sachen wie Elsa Artmanns "Sanfte Arbeit" oder ein Akkordeon-Set von Goran Stevanovich. Im Studio gab es unter anderem die Uraufführung von Elena Kats-Chernins "Susanna Sultana" und ein Konzert von Geiger Johnny Gandelsman. In den Foyers sorgte Alarm Will Sound für Bewegung, und im Café Atara gab es sogar ein kleines interaktives Re-Enactment. Der Festival Salon war von 17 bis 22 Uhr offen für alle, die einfach nur ankommen wollten.
Kurz: Man konnte sich in diesem Haus komplett verlaufen, und genau das war der Punkt.
Wie fühlt sich Zuhause an?
Der Abend stand unter dem Motto "Nach Hause", und ich habe ein paar Gäste genau das gefragt: ob sie sich hier zuhause fühlen. Die Antworten waren erstaunlich ähnlich, nur in völlig unterschiedlichen Tonlagen.
Eine Besucherin mit einem Cocktail in der Hand fand vor allem das Raumkonzept spannend: mehrere Säle, die jahrelang nicht zugänglich waren, jetzt endlich wieder offen, und ein Programm, bei dem man sich aus so vielen verschiedenen Konzerten sein eigenes zusammenstellen kann. Musik gab es dabei nicht nur klassisch auf der Bühne, sondern auch als Videoprojektion im Foyer.
Ein anderer Gast, komplett in bemaltem Outfit unterwegs, hatte eine deutlich verspieltere Antwort parat: Am besten gefalle ihm die schiere Großzügigkeit des Hauses, und was noch fehle, sei eigentlich nur noch seine eigene Signatur irgendwo an der Wand. Am besten natürlich in Gold, ganz Beethoven-like.
Und ein dritter Gast brachte es auf den Punkt: Wenn er Musik hört oder Musik sieht, dann fühlt er sich zuhause. Genau dieses Gefühl schien an diesem Abend im ganzen Haus zu hängen.
Der Abend-Höhepunkt: Frederick Ballentine und "Our People"
Wenn man die Gäste nach ihrem persönlichen Highlight fragte, fiel ein Name besonders oft: Frederick Ballentine. Der amerikanische Tenor aus Norfolk, Virginia, ist alles andere als ein Unbekannter: Grammy-Preisträger, ausgezeichnet mit dem Marian Anderson Award des Kennedy Centers, mit Stationen an der Metropolitan Opera, der English National Opera und der Seattle Opera. Einer, der Wagner genauso souverän singt wie zeitgenössisches Repertoire.
Im Studio brachte er zusammen mit Pianist Kunal Lahiry sein Programm "Our People" auf die Bühne, eine Feier Schwarzer und queerer Stimmen durch Gesang, Voguing und Queer Art. Für Bonn und für die Beethovenhalle ist das kein alltägliches Programm, und genau deshalb ist es hängen geblieben. Amerikanische Kultur und klassischer Gesang trafen hier aufeinander, und laut mehreren Gästen war das mit Abstand der Moment, über den am meisten gesprochen wurde. "Our People" eben, im besten Sinne.
Zwischen Tränen und Feier
Nicht jeder Moment des Abends war leicht. Mehrere Gäste sprachen von sehr bewegenden, fast traurigen Passagen im Programm, bevor es zum Schluss hin wieder ausgelassener wurde. Genau diese Mischung, sagten sie, habe den Abend zu einem würdigen Abschluss des Beethovenfest-Tages gemacht: nicht nur Feier, sondern auch Raum für die leiseren Töne.
Fazit
"Nach Hause" hat gehalten, was der Titel verspricht. Die Beethovenhalle ist zurück, und sie kam nicht leise zurück, sondern mit acht gleichzeitig bespielten Räumen, einem bunten Gästemix und einem Abendhighlight, das noch lange nachklingen dürfte. Wer am 19. September nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst. Aber die gute Nachricht: Das Haus ist jetzt wieder offen, und es wird sicher nicht die letzte Nacht dieser Art gewesen sein.