

„Henry VIII.“ nimmt König Heinrich VIII. von England in den Blick – bekannt durch seine sechs Ehen sowie die Gründung einer eigenen Kirche. Besonders prägend waren die Annullierung seiner ersten Ehe mit Katharina von Aragón und die Hochzeit mit Anne Boleyn. Genau diese Ereignisse bringt Camille Saint-Saëns 350 Jahre später auf die Bühne.
Die Handlung nach einem spanischen Drama von Calderón liefert das ideale Material für eine historische Oper: Liebessehnsüchte, Gefahren am Hof mit belastenden Briefen, ehrgeizige Aufstiegspläne, schmerzhaftes Leid und Einmischungen des Papstes – voller Dramatik, Intimität und Feierlichkeit. Dabei geht es um Politik ebenso wie um den privaten Konflikt. Mit dem „Projekt Scheidung“ nutzt Heinrich die Möglichkeit, den Einfluss der römischen Kirche aus seinem Königreich zu verbannen.
Die Oper entführt in das England der Renaissance – mit Anklängen an die Musik der Zeit. Gleichzeitig bleibt sie eine typisch französische Oper mit Sinn für Melodik und Eleganz. Die Orchestersprache ist klar und präzise und vermeidet die Exzesse der Spätromantik.
Nach „Samson und Dalila“ ist „Henry VIII.“ Saint-Saëns’ erfolgreichste Oper. Seit der Uraufführung in Paris 1883 wurde sie in Frankreich oft, hierzulande aber eher selten aufgeführt.
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