
Do.
07 Mai
2026
Leah Kate ist eine dieser Popfiguren, die scheinbar mühelos den Zeitgeist einfängt, ohne ihm je ganz zu trauen. Geboren 1992 in Los Angeles, sozialisiert zwischen YouTube-Covern, TikTok-Algorithmen und klassischem Pop-Appeal, hat sie sich über Jahre eine Karriere aufgebaut, die weniger von kalkulierter Coolness als von kontrolliertem Kontrollverlust lebt.
Der große Durchbruch kam 2022 mit „10 Things I Hate About You“. Der Song, zugleich bitter und verspielt, wurde zum viralen Phänomen, erreichte die britischen Top 40, lief im US-Popradio in Heavy Rotation und sammelte inzwischen Hunderte Millionen Streams.
Mit ihrem zweiten Album „Genius“, erschienen im November 2024, treibt sie diesen Ansatz weiter. Sie selbst nennt das Werk eine „Dissertation über schlechte Entscheidungen“, erzählt in mehreren Akten, irgendwo zwischen Selbstanalyse und Selbstparodie. Songs wie „Meltdown“ oder „ill“ sezieren emotionale Ausnahmezustände mit brutaler Ehrlichkeit – und einem Augenzwinkern.
Kate nimmt sich ernst genug, um relevant zu sein, aber nie so ernst, dass es pathetisch würde. Im letzten Drittel dieses Popmärchens rückt die Bühne in den Mittelpunkt. Leah Kate ist längst eine Live-Künstlerin geworden, die weiß, wie man Chaos in Gemeinschaft verwandelt. Tourneen als Headlinerin, Support-Slots für Madison Beer oder Chase Atlantic, Auftritte mit Steve Aoki – bis hin zu Tomorrowland vor Hunderttausenden. Konzerte sind für sie keine Reproduktion der Studiofassung, sondern ein kollektiver Kontrollverlust, bei dem das Publikum jedes Wort zurückschreit. Pop als Ventil, als temporäre Selbsthilfegruppe.
2026 will sie diesen Weg konsequent weitergehen: mit der „Stupid Genius (Deluxe)-Edition“ und einer neuen Tour, die ihre Geschichten noch größer denkt.
Für deutsche Fans besonders erfreulich: Im Mai 2026 kommt Leah Kate für zwei Konzerte nach Deutschland. Zwei Abende also, an denen aus Chaos Gemeinschaft wird – und aus Pop ein sehr lauter Moment der Selbsterkenntnis.