Deine Veranstaltungen
in Köln



So.
27 Dez.
2026
MIT REUNIONS VON BANDS IST DAS JA IMMER SO EINE SACHE: Die einen, früher mal erfolgreiche Vorreiter ihres Genres, tun sich Jahre später als Zweckgemeinschaft ein weiteres Mal zusammen, weil am Ende vom Geld leider noch so viel Leben übrig ist. Die anderen wittern eine späte Chance, mit dem Revival eines schlecht gelittenen Trends so etwas wie eine zweite Hype-Chance zu erhaschen, wandeln fortan blutleer wie eine George Romero Zombie-Supergroup über die Bühnen halbvoller Clubs, nehmen nochmal blutleerere neue Songs auf und wären besser zwischen den Würmern in der kalten Erde andächtig liegengeblieben.
Und dann gibt es eben jene, die einfach nur noch ein letztes Mal Bock haben, mit alten Freunden von damals eine gute Zeit zu haben – komplett unberechnet und unberechnend, einfach weil die gemeinsame Story nie sinnvoll zu Ende erzählt wurde und man vor allen Dingen immer noch das hier hat: Bock. Bei FIRE IN THE ATTIC aus Long Island, ähhh Bonn, war das damals der Antrieb – und gute 15 Jahre später tuckert dieser wundervolle Motor immer noch irgendwo unter der Motorhaube aller Mitglieder des originalen Line-ups. Und das, obwohl einige von ihnen seither musikalisch nicht untätig waren mit grandiosen Folge-Bands wie KMPFSPRT oder als Redakteure relevanter Szene-Zines.
Apropos, Szene: Post Hardcore hat man jenen Stil seinerzeit genannt, den FIRE IN THE ATTIC wie kaum eine andere Band aus Deutschland so international wie genial zelebriert haben. Klar, das war irgendwie auch Emo, aber das Quintett aus dem Rheinland hatte einfach immer mehr Hardcore- und Punk-Drive und stand lieber breit grinsend mitten im Gesicht der Zuschauer als weinerlich auf den eigenen Füßen rum.
Auf eine schnieke EP und vier tolle Longplayer haben es die Herren Ole Feltes (Voc), Daniel Crebelli (Guit/Voc), Daniel Plotzki (Drums), Richard Meyer (Guit/Voc) und Dennis Müller (Bass) Zeit ihres FITA-Lebens gebracht. Absolut starke, sehr gut gealterte Songs wie „Fake It Like You Mean It“, „Decision & Action“ oder „An Audience Of One“ beweisen bis heute, dass man sich mindestens einen dicken goldenen Barhocker zwischen den Stühlen von Szenegrößen wie Taking Back Sunday, Thrice oder The Used verdient hat. Folgerichtig sind diese Platten seinerzeit via Redfield Records sehr geschmackssicher veröffentlicht worden.
Kein Wunder eigentlich auch, dass FIRE IN THE ATTIC mit so viel Rückenwind und Eigenantrieb schon nach kurzer Zeit von kleinen AZ-Bühnen auf die großen Stages rübergemosht sind und die ewig wackelnde Tolle des Front-Duracell-Häschens Ole fortan u.a. auf der Taste Of Chaos Tour, als Support von Combos wie Billy Talent, Coheed And Cambria, Boysetsfire, Hot Water Music oder Alexisonfire und auf den großen Open Airs der Republik zu sehen war.
Nach einem Sängerwechsel zum britischen Shouter Thomas Prescott haben FIRE IN THE ATTIC um 2010 ihre Band in Carbonit eingefroren. Bis ziemlich genau heute, hier und jetzt.
„Ey, lass noch einmal zusammen durch’n Tisch treten!“, „Once more with feeling!“, „Jungs, wisst Ihr noch damals?“ Solche Sätze dürften in etwa gefallen sein am Telefon, als sich FIRE IN THE ATTIC im oben angesprochenen Original Line-up ganz nostalgisch und mit dem gleichen breiten Grinsen von damals in diesem noch jungen Jahr wieder zusammengerauft haben.
Einmal noch wie die Goonies losziehen und Astoria retten. Nochmal kurz daran erinnern, dass man die besten Dinge erst dann vermisst, wenn sie nicht mehr da sind – und dass FIRE IN THE ATTIC immer noch wohlig nachhallen: „One More Chance To Dance“ eben.
Als dickes Jubiläum wird Ende 2026 noch einmal gemeinsam Krach gemacht like it’s early 2K! Kein lauwarmer Aufguss einer Tütensuppe, keine Imitation eines damals noch gelebten Gefühls. Im Gegenteil: Ein dickes positives, ballastfreies Jubiläum, Leute! Wer damals nicht dabei war, sollte seine Chance nicht verpasssen. Alle anderen zelten hoffentlich eh schon mit Freudentränen gefüllten Taschentüchern vor den Ticketshops im Netz – „barely asleep or still dreaming“!