KARAT – Tour 2026
Die Berliner Kultband KARAT feierte 2025 ihr 50-jähriges Jubiläum. 50 Jahre – das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Es gibt nur wenige Bands von Rang, die auf eine solche lange Geschichte zurückblicken. Die meisten davon – seien wir doch ehrlich – sind dabei längst zu nostalgischen Coverbands ihrer selbst geworden.
Der eigene Weg: Suche, Bewegung und Selbstbefragung
Doch KARAT sind einen anderen Weg gegangen: den der permanenten Suche, der ständigen Bewegung und Selbstbefragung. In diesem fünf Jahrzehnte währenden Prozess gab es einige Brüche. Musiker, die jahrelang Kurs und Klang der Band maßgeblich prägten, machten Platz für neue Charaktere und neue Ideen – eine permanente Frischzellenkur, ein ständiger Verjüngungsprozess. Die heute den 50. Bandgeburtstag feiern, kommen zum Teil aus anderen Generationen und bieten von ihrer Lebenserfahrung her ein breit gefächertes Spektrum. Und trotzdem – oder vielmehr: gerade deshalb blieb die Idee dahinter immer jung.
Offenes Kreativsystem: Herbert Dreilich bis Claudius Dreilich
Besonders deutlich wird diese Bandentwicklung als offenes Kreativsystem in der Position den Frontmanns: Herbert Dreilich hatte sie drei Jahrzehnte inne. Dabei wurden die größten Erfolge der Band gefeiert, er hat ihnen quasi ein Gesicht gegeben. Seit zwei Jahrzehnten steht sein Sohn Claudius Dreilich an seiner Stelle. Er brachte die Skeptiker längst zum Schweigen und hat den Beweis angetreten, dass er seinem Vater nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern auch dessen kreative Energie geerbt hat. Doch keineswegs ist Claudius Dreilich eine Kopie: Sowohl mit seinem Gesang als auch mit seinem Charisma und seiner dennoch nahbaren Extrovertiertheit avanciert er zu einer Künstlerpersönlichkeit. So kann er der Band heute genauso Motor sein, wie es sein Vater 30 Jahre lang war.
Über 50 Jahre KARAT: große Hits, zeitlos ins Hier und Jetzt
Über 50 Jahre KARAT sind zuallererst die etlichen großen Hits – inzwischen allesamt gestandene Klassiker. Aber sie passen wunderbar ins Hier und Jetzt, weil sie im eigentlichen Sinne zeitlos sind: Hier wird nicht die Asche des Feuers angebetet, sondern dessen Glut weitergetragen. KARAT sind fünf Dekaden deutsch-deutsche Musikgeschichte.
- Im ersten Jahrzehnt entstehen etliche Meilensteine; in der BRD ehrt man sie mit Goldenen Schallplatten, sie sind Gast bei „Wetten dass…“ und Peter Maffay feiert seinen bisher größten Hit mit dem Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du gehn“.
- Die zweite Dekade beginnt mit der Verleihung der Goldenen Europa (1986) und endet im längst wiedervereinten Deutschland mit dem bereits zehnten KARAT-Album „Die geschenkte Stunde“ (1995); drei Jahre zuvor holen Gitarrist Bernd Römer und seine Kollegen den neuen Keyboarder Martin Becker in die Band.
- Das dritte Jahrzehnt vereint Highlights wie einen Auftritt beim „Rockpalast“ und eine Tournee mit dem Filmorchester Babelsberg, endet jedoch tragisch: Herbert Dreilich erliegt 2004 seinem Krebsleiden.
- Die vierte Dekade startet mit der neuen Ära: Mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass der schwere Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet wurde. Neben vielen eigenen Tourneen sind sie Teil der „Ostrock Klassik“-Konzerte, holen sich für eine Weihnachtstour ein A cappella-Frauenquintett dazu, kollaborieren mit den Kieler Philharmonikern und freuen sich über die Interpretationen ihrer Songs von (u. a.) Helene Fischer, Chris de Burgh und Max Raabe. Nicht zuletzt gibt es mal wieder eine Goldene Schallplatte (2010 für „Vierzehn Karat“) und fünf Jahre später die Goldene Henne.
- Auch in der bisher letzten Dekade befinden sich KARAT auf der Überholspur: Mit Universal Music wird ein neuer Vertriebspartner für die neuen Alben gefunden; selbst eine Pandemie kann diese Band nicht stoppen. KARAT melden sich mit Auto- und Hotelzimmern sowie ca. 40 Konzerten mit eingeschränkter Zuschauerzahl aus der Covid-19-Versenkung zurück.
- Die fünfte Dekade steht außerdem für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug. Man kennt die gestandenen Musiker beispielsweise aus ihrer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Jan Josef Liefers oder Clueso. Nun sorgen sie mit Groove, Leidenschaft und musikalischem Können für ein neues Energielevel bei KARAT.
Damit bleibt das Bandprinzip lebendig: kontinuierlicher Wandel, klare Identität – und eine Musik, die auch heute nichts von ihrer Kraft verloren hat.