

Als am Rhein zur 2000-Jahr-Feier Bonns 1987 ein Luxushotel errichtet wurde, fanden die Archäologen hier neben römischen und mittelalterlichen Spuren auch die des jüngeren Bonner Judenviertels aus dem 18. Jahrhundert, das mit der Zerstörung der Synagoge durch die Nazis im November 1938 und im Bombenkrieg sein Ende fand.
Der Anblick der gut erhaltenen Keller der Synagoge ließ die Ausgrabungen zum Politikum werden. Der Archäologie wurde „Beihilfe“ zur Zerstörung der letzten Spuren jüdischen Lebens in Bonn vorgeworfen – die Proteste gipfelten in der Besetzung der Grabung durch Aktivisten. Hier wurden die beiden konkurrierenden Ebenen sichtbar, die sich beide aus der originalen Materialität ableiten: gedenkende Erinnerung und bewahrende Denkmalpflege. Die erst jüngst ausgewertete Grabung hatte aber spektakuläre Funde zum jüdischen Leben in Bonn zutage gebracht, von denen einige hier gezeigt werden.
Mit Thomas Kersting (Vorstand des Fördervereins Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn e. V.)
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