„Schwester von“ ist ein Monolog, basierend auf der mythologischen Figur der Ismene, Schwester der Antigone, Tochter des Ödipus. Wir hören die Geschichte einer Frau, die immer im Schatten ihrer heldenhaften und weltberühmten Schwester Antigone gelebt hat. Einer Frau, die meint, kein Existenzrecht zu haben, weil sie nie etwas Großartiges oder Denkwürdiges getan hat, die sich schämt für das, was sie ist und wie sie gewesen ist. Denn unsere Helden sind Menschen, die Dinge tun, und nicht Menschen, die Dinge sein lassen. Tausende von Jahren nach ihrem Tod beginnt sie zu reden, irgendwo, wo die Zeit nicht mehr zählt.
„Diese Schwester von malt das Bild einer Antiheldin. Eine Ikone für all die Menschen, die nicht in großen Idealen denken, sondern in kleinen Interessen und Sehnsüchten, wobei die emotionalen Motive immer über die ideologischen siegen.“
Schwester von lässt sich auch als moderner Blick auf eine Figur lesen, die wir aus der Antike kennen: Ismene aus Antigone von Sophokles.
Ismene ist dort die Schwester, die nicht handelt, die sich nicht widersetzt – und gerade deshalb mit Schuldgefühlen und moralischem Druck leben muss.
Lot Vekemans rückt genau diese Perspektive ins Zentrum: die der Zurückbleibenden, derjenigen, die keine Tat begangen hat und dennoch Verantwortung zugeschrieben bekommt.
Schwester von erzählt damit kein Heldendrama, sondern das stille, heutige Weiterleben einer Ismene – unter den Blicken und Urteilen der Gesellschaft.