
Sa.
28 Feb.
2026
„Wir saßen in seinem Garten unter der Laube am Rhein und blinzelten in den strahlenden Sommer. Macke, Max Ernst, der zarte, bucklige Seehaus, der schlanke, unendlich begabte Franz Henseler, der aus München hierher verschlagen wurde. Manchmal tauchte Heinrich Nauen auf, und Franz Marc bestieg sein blaues Ross, um den Affenfries im Atelier auszumalen. Zwischendurch geisterte der schlauchartig sich windende Haru Engert umher, saß mit untergeschlagene Beinen und schnitt Silhouetten. Aus unseren europäischen Gesprächen – wir betrachteten Köln und Bonn als Vororte von Paris, Wien und Rom – formte sich in Macke die Idee einer repräsentativen Ausstellung Rheinischer Expressionisten, die ohne jede Vorbereitung oder fremde Hilfe in den Tag sprang.“ – Karl Otten über den Sommer 1913
Kunst ist immer eng mit den Lebenswegen von Künstlerinnen und Künstlern, ihren Familien sowie Kunstsammlerinnen und -sammlern verknüpft. Die neue Sammlungspräsentation im Bereich der Klassischen Moderne im Erdgeschoss des Kunstmuseums spürt diesen Wegen und Geschichten nach. Während die Darstellung ausgewählter Werkprovenienzen historische Entwicklungen und ihre konkreten Auswirkungen auf einzelne Menschen und ihre Lebenswege nachvollziehbar macht, entwerfen exemplarische Biografien ein lebendiges und facettenreiches Bild der Entstehungszeit der gezeigten Kunstwerke.
Neben beliebten Sammlungshighlights der bekannten Rheinischen Expressionisten zeigt die Neupräsentation selten ausgestellte Werke von weniger bekannten Künstler:innen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Künstlerinnen, die bislang selten im Museum zu sehen waren und oft nur mit wenigen Werken in der Sammlung vertreten sind. Dazu zählen:
Die Ausstellung fragt zudem nach der heutigen Bewertung von Künstler:innenbiografien, die von Brüchen, Ambivalenzen oder politischen Verstrickungen geprägt sind. Am Beispiel von Werner Peiner und anderen wird sichtbar, wie die Auseinandersetzung mit problematischen Lebenswegen und Haltungen unsere Sicht auf die Werke verändert und die Frage nach musealer Verantwortung in den Vordergrund rückt.