
Sa.
16 Mai
2026
Regie: Martin Laberenz
Dauer: ca. 105 Minuten, keine Pause
»Wie waren sie einander begegnet? – Durch Zufall, wie alle. – Wie hießen sie? – Was schert sie das? – Wo kamen sie her? – Vom nächstgelegenen Ort. – Wohin gingen sie? – Wer weiß schon, wohin er geht. – Was sagten sie? – Der Herr sagte nichts und Jacques sagte, sein Hauptmann habe gesagt, alles Gute oder Schlechte, das uns hienieden widerfährt, stehe dort oben geschrieben.«
So beginnt Denis Diderot, der vielleicht heiterste der französischen Aufklärer, seinen Roman JACQUES DER FATALIST UND SEIN HERR. Der Roman sprüht vor Erzähllust und begleitet den Diener Jacques mit seinem Herrn auf eine neuntägige Reise quer durch das vorrevolutionäre Frankreich. Das Protagonistenpaar, das an Don Quijote und Sancho Pansa erinnert, erörtert auf geistreiche und unterhaltsame Weise philosophische Fragen.
Paradoxerweise ist der weltgewandte und vorwitzige Jacques Anhänger eines stoischen Fatalismus. Er betont, dass alles, was passiert, in dem großen himmlischen Buch des Schicksals längst festgestanden habe. Im Gegensatz dazu bekennt sich sein langweiliger und schläfriger Herr zur Freiheit des Willens, ohne diese jedoch im realen Leben zu praktizieren.
Diderot wählt die offene Form des Dialogs, wobei die Gespräche der beiden stets vom Erzähler unterbrochen werden. Dieser bringt eigene Kommentare, Reflexionen und Überlegungen ein. Statt Meinungen zu postulieren, entfaltet Diderot Gedanken im dialektischen Spiel von Wirkung und Gegenwirkung, wodurch kein Gedanke ohne die Möglichkeit seines Gegenteils gedacht werden kann.
Die Gespräche zwischen Jacques und seinem Herrn werden so zu wahren Komödien des Geistes, die sowohl unterhalten als auch belehren. Diderot schenkt uns mit JACQUES DER FATALIST UND SEIN HERR eine scharfsinnige Studie über das Problem von Herrn und Knecht, die bedeutend für nachfolgende Denker wie Hegel und Marx ist.