
Mi.
04 Feb.
2026
Gottlieb Biedermann, erfolgreicher Fabrikant und archetypischer Vertreter des wohlhabenden und selbstgefälligen Bürgers, wird von den Berichten über Brandstiftungen zunehmend beunruhigt. Trotz der Bedenken seiner Frau lässt er zwei Unbekannte in sein Haus. Ein wenig Vertrauen hat schließlich noch niemandem geschadet! Doch eines Morgens entdeckt er, dass seine Gäste Benzinfässer, Zündschnüre und diverse Brandutensilien auf seinem Dachboden lagern.
Die offensichtlichen Warnzeichen, dass es sich um Brandstifter handelt, verdrängt Biedermann. Stattdessen lädt er sie zum Essen ein, in der Hoffnung, durch Freundschaft sicherer zu sein.
Warum erkennt Biedermann die Bedrohungslage nicht? Warum belügt er sich selbst und zwingt sich zur Toleranz? Dies sind zentrale Fragen in Frischs »Lehrstück ohne Lehr«. Die Gefahr ist unübersehbar, und doch entfaltet sich die tragikomische Parabel bis zu einem bitteren Ende, als Biedermann aus Angst vor dem Vorwurf des Misstrauens den Brandstiftern sogar die Streichhölzer überlässt, um sein Haus sowie die Nachbarschaft in Flammen zu setzen.
»Biedermann und die Brandstifter« verdeutlicht die Gefahren des Wegschauens und der Ignoranz gegenüber extremen Ideologien. Geschrieben in den 1950er Jahren, mit Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die Wiederaufrüstung in der BRD, appelliert das Stück dringend zur aktiven Verantwortung und zur Notwendigkeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen, bevor es zu spät ist.
Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, begann seine Karriere als Journalist und arbeitete später als Architekt. Sein literarischer Durchbruch gelang ihm 1954 mit dem Roman »Stiller«. Weitere bedeutende Werke sind »Homo Faber« (1957) und »Mein Name sei Gantenbein« (1964). Frisch starb am 4. April 1991 in Zürich.